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Das Rhone Tal der neue Burgund

 

Die ausgesprochene Qualität der Weine aus dem Rhone Tal war immer weltbekannt, allerdings sind die Weine insgesamt in wichtigen globalen Märkten deutlich unterrepräsentiert, insbesondere im Vergleich zu ihren Konkurrenten aus dem Bordeaux und Burgund. Es war daher zu erwarten, dass sich die Diskrepanz zwischen gutem Ruf und der bisher niedrigen Nachfrage irgendwann verkleinern würde. In den letzten 12 Monaten waren einige klare Indikatoren festzustellen, welche darauf hindeuten, dass diese Verschiebung jetzt in Gang gekommen ist.

 

 

Diversifikation

 

Anleger sollten in einem unsicheren Marktumfeld einen dynamischeren Anlageansatz wählen, um so das Risiko zu reduzieren und attraktive Einstiegspunkte für Weine in einzelnen Regionen zu finden. Die Rhone ist einzigartig unter den großen Weinregionen und bekannt für seine alte Weinkultur und ertragreichen Rebsorten. Mit ähnlichen Merkmalen, insbesondere in Bezug auf die Knappheit, wie dem Burgund, hat die Rhone eine wachsende Anzahl an offenen Anlegern angezogen, welche sich auch an weniger offensichtliche Regionen heranwagen. So ist die nächsten zehn Jahre, nach dem jüngsten Anstieg des Marktanteils auf Liv-Ex, eine entscheidende Wachstumsphase für dieses Marktsegment zu erwarten und ein Portfolio Anteil von 10% bis 15% durchaus gerechtfertigt.

 

 

Marktübersicht

 

In den letzten Jahren hat sich die Rhone sicherlich nicht so aufregend entwickelt wie andere, etwa der Burgund oder das Napa Valley. Der Benchmark-Index „Rhone 100“ ist die letzten Jahre deutlich hinter anderen französischen Subregionen wie dem Burgund, Bordeaux oder der Champagne zurückgeblieben. Dieses Bild scheint sich nun jedoch zu ändern. Nach dem Burgund und der Champagne, scheint die Rhone der neueste Bereich zu sein, in dem ein Leistungsschub zu verzeichnen ist. In diesem Jahr stieg der „Rhone 100“ auf den höchsten Stand seit 2008 und erzielte eine Gesamtrendite von 5,46%. Dagegen ist der Handelsanteil von Bordeaux im ersten Quartal 2018 leicht gesunken. Ferner hat sich der „Bordeaux 500“ – Index zum am langsamsten wachsenden Sub Index entwickelt.

So suchten Investoren nach Anlageweinen außerhalb von Bordeaux und der Handelsanteil von Weinen aus der Rhone Region stieg im September 2018 auf 6,7%. Das legt den Gedanken nahe, dass, obwohl der Burgund und die Champagner momentan noch am attraktivsten bewertet sind, die Rhone wohl gerade erst in den Startlöchern steht.

 

 

Rhone - Ein Blick aus China und Hongkong

 

Der starke asiatische Markt hat sich in den letzten fünf Jahren spürbar verbreitert, so dass insbesondere mit dem Burgund und teilweise der Champagne neue Regionen, außerhalb des Bordeaux, wesentlich zugenommen haben und ernstzunehmende Anlageklassen darstellen. Dennoch bleibt Bordeaux, mit einem stabilen Marktanteil, von 60%-65%, weiterhin in der Spitzenposition, allerdings auch mit einer entsprechenden Preisstruktur. Als absolut unterrepräsentiert zeigen sich allerdings die Weine von der Rhone, welche qualitativ den anderen seit jeher in nichts nachstehen.

In Hongkong, dem anspruchsvollsten und erfahrensten Weinmarkt der Region, haben Rhone Weine seit jeher einen relativ hohen Stellenwert unter den Kennern. Wie auch in anderen Schlüsselmärkten ist Rayas hier einer der begehrtesten Produzenten. Dicht gefolgt von Chapoutier, Jean-Louis Chave, Paul Jaboulet und Guigal. In den letzten 12 Monaten war es allerdings auch spannend die wachsende Bekanntheit der Weine von Domaine du Pegau, Domaine Jamet, Domaine Clape und des verstorbenen Henri Bonneau in Chateauneuf du Pape zu verfolgen.

 

Auf dem chinesischen Festland steigt die Beliebtheit von Bordeaux weiterhin an und es ist keine Frage, dass dies momentan die bekannteste Anbauregion in diesem Bereich ist. Während sich nun auch die führenden Produzenten aus dem Burgund in ganz China etablieren, haben sich die Key Opinion Leader (KOL) merklich in Weine aus dem Rhone Tal verlagert. Diese KOL sind unglaublich wichtig und haben oft eine wichtige Rolle bei der Gestaltung des Geschmacks bei Trends in Festlandchina gespielt. Noch auffälliger war das Aufkommen eines Handelsnetzes für Importeure, welche sich insbesondere auf Weine aus dem Rhone Tal konzentriert, einem Handelszweig, welchen es auf dem Festland bis vor 2 Jahren nicht gab. Es ist diesbezüglich zwar keine unmittelbare Explosion der Popularität von Rhone Weinen in China zu erwarten, aber es liegt auf der Hand, dass das Rhone Tal das letzte große Weinanbaugebiet ist, um sich an diesem wichtigen Handelsplatz zu etablieren.

 

Insofern ist zu erwarten, dass die Region in den kommenden Jahren auf den gleichen Bekanntheitsgrad wachsen könnte wie der Bordeaux und der Burgund.

 

 

Risiko und Ertrag

 

Risiko und Ertrag müssen bei jeder intelligenten Investitionsentscheidung immer zusammen betrachtet werden. Obwohl insbesondere die Weine der nördlichen Rhone Region zuletzt den Süden outperformed haben, ist insbesondere bei den südlichen Erzeugern eine gute Sharpe-Ratio, von Rendite zu Risiko, zu erkennen.

Obwohl die Gesamtentwicklung der Region bisher noch sehr moderat verlief, konnten einige angesehene Erzeuger, wie Chateau Rayas, Henri Bonneau und Guigal´s Lala´s in den letzten fünf Jahren beeindruckende Renditen erzielen. Interessanterweise haben hier insbesondere die hochgelobten älteren Jahrgänge sehr gut abgeschnitten, während die sehr jungen Jahrgänge nahezu unbeachtet blieben. So sind insbesondere der Beaucastel, Hommage à Jacques Perrin 98 und 07 um 29,7% bzw. 10,5% seit Jahresbeginn gestiegen.

 

Bei einem direkten Vergleich von Ersten Gewächsen des Bordeaux mit den Spitzenweinen der Rhone bei gleicher Kritikerwertung (99-100 Pkt.), wird momentan ein durchschnittlicher Aufschlag von 100-125% für Wein aus dem Bordeaux bezahlt. Verglichen mit den Spitzenweinen aus dem Burgund, ebenfalls 99-100 Pkt.-Wertungen, wird der Unterschied sogar noch größer.

 

 

Investitionsimplikationen

 

Nach dem Burgund und der Champagne könnte die Rhone, bei niedrigem Einstiegspunkt und mit enormem Wachstumspotenzial der nächste aufstrebende Markt sein.

An der südlichen Rhone war insbesondere das Weingut Rayas, Chateauneuf du Pape, mit einer Wertsteigerung jenseits der 400%-Marke, in den letzten zehn Jahren als klares Flaggschiff der Region auszumachen. Obwohl deutlich moderater, war Henri Bonneau, Celestins, die Nummer 2 im südlichen Rhône-Bereich und erzielte in den letzten 10 Jahren einen guten Gewinn von 150%.

 

An der nördlichen Rhone hat sich insbesondere Domaine Jean-Louis Chave, Hermitage besser entwickelt als der andere, dicht gefolgt von Guigal, Cote Rotie Ampuis. Innerhalb des großen Benchmark Index „Liv-ex 1000“ kamen die fünf führenden Marktteilnehmer des „Rhone 100“-Index alle aus dem Norden. Noch wichtiger ist, dass von den 120 konstituierenden Weinen des „Rhone 100“ insgesamt 72 Weine in den letzten 12 Monaten gestiegen sind.

 

 

Zusammenfassung

 

Der Optimismus für die Rhone begründet sich in der langfristigen Performance der begehrtesten Namen der Region und in den attraktiven risikobereinigten Erträgen gegenüber anderen Subkategorien des Marktes. Die ermittelten Diskrepanzen und Ineffizienzen in diesem Markt sind klare Indikatoren für eine Steigerung im Wert und Volumen des Handels.

 

Im letzten Jahrzehnt war die Marktschwankung von Rhone Weinen im Vergleich zu Champagner, Bordeaux und Burgunder Weinen am geringsten. Die Knappheit ist ebenfalls ein wichtiges Element für das prognostizierte Wachstum der Region. Alle genannten Faktoren deuten auf einen aussichtsreichen Trend und wachsende Zuversicht für Rhone Weine als Anlagevermögen hin. Insofern scheint ein strategischer Ausbau des Rhone-Anteils auf 10-15% des Weinportfolios als plausibel.

 

 

Nördliche Rhône-Produzenten

 

• Chapoutier

• Jean-Louis Chave

• Guigal

 

 

Südliche Rhône-Produzenten

 

• Henri Bonneau

• Chateau Rayas

• Vieux Telegraphe

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